Challenge Roth

 

Ort: Roth

Datum: 01.07.2018

 

Wenn es geht, vermeide ich gerne jeglichen Stress in der Woche vor meinen großen Wettkämpfen... dies war in der Woche vor Roth leider nicht möglich und so konnten sich weder mein Kopf, noch mein Körper so wirklich auf den Tag X vorbereiten.

 

Diesen Tag auf den ich mich das ganze Jahr vorbereitet hatte... für den ich so viel investiert hatte... der Tag der am Sonntag den ersten Juli um 03:45 Uhr für mich beginnen und erst um kurz vor 12 Uhr nachts enden sollte! 

Ich öffnete die Augen und war sofort wach, fit, konzentriert und fokussiert. Ich wusste genau, was zu tun war. Zog mein Rennoutfit an, brachte das vom Veranstalter geforderte Tattoo an meinen Oberarmen an, befestigte den Zeitnahme-Chip am linken Fußgelenk und begab mich zum Frühstück. Meine Eltern holten Carina und mich vom Hotel ab und wenig später standen wir auch schon am Schwimmstart. Wie immer vorm Wettkampf war die Verabschiedung von Carina und meinen Eltern recht emotional... die Sonne war gerade am Aufgehen, in der Wechselzone wuselte es gerade so vor Athleten, die Moderatoren sagten Anweisungen und Startzeiten durch und eine besondere, unwissende Spannung lag in der Luft.

 

In der Wechselzone pumpte ich meine Reifen auf, brachte die obligatorische „After-Schwimm-Breze“ am Aerolenker an und ging dann in den Startbereich.

07:00 Uhr... Kein Countdown... nur ein lauter Kanonenschuss läutete den für mich intensivsten und lehrreichsten Wettkämpfe in meinem bisherigen Sportleben ein.

Die Stimmung war während des ganzen Schwimmens absolut fantastisch. Bei jedem Atemzug sieht und vor allem hört man die am Kanalufer klatschenden Zuschauer. Recht genießen konnte ich den Moment leider trotzdem nicht. Zu sehr war ich mit mir und den neben mir schwimmenden Athleten beschäftigt. Ich fand keinen Anschluss, denn ich war entweder zu schnell oder zu langsam. Der lange Weg bis zur ersten Wende bestand also fast ausschließlich aus stressigen Überholmanövern. Erst nach 2 Kilometern hatte sich das Feld ein wenig beruhigt und ich konnte mich zum ersten Mal auf mich, meine Technik, mein Tempo und vor Allem mein Rennen konzentrieren.

 

Als mir dann ein Helfer der Wasserwacht beim Schwimmausstieg die Hand reichte und mich endlich aus dem Kanal zog, stand da trotzdem eine 01:08:54... damit kann ich definitiv leben!

 

Der Wechsel klappte dann, bis auf den Fakt, dass ich den Kinnriemen meines Helms gefühlte 2 Minuten nicht geschlossen bekam, recht reibungslos und voller Euphorie und Vorfreude ging es auf die Radstrecke. 

Rückenwind, gute Beine und eine tolle Stimmung an der Radstrecke sind eine mächtige Kombination und obwohl ich in dieser Phase extrem viel überholt wurde, versuchte ich, nicht zu viel zu investieren... um jeden Preis wollte ich die Fehler, die ich in Frankfurt gemacht hatte, vermeiden. Ich verpflegte mich nach Plan und fuhr strickt nach Watt- und Herzfreuqenzwerten. In Greding traf ich dann zum ersten Mal auf Flo und Alex, die sich bereit erklärt hatten, mir dort die Eigenverpflegung zu reichen... ihr seid der Hammer!!! Vielen Dank nochmal dafür!

 

Und dann... bei Kilometer 40... ja, der Kilometer 40, bei dem noch 140 Kilometer am Rad vor dir liegen... stellte ich plötzlich mit Erschrecken fest, dass ich schwere Beine bekam. Im Vorgespräch mit Ralf hatten wir über solche Tiefs gesprochen... dass diese beim Langdistanztriathlon zwangsläufig früher oder später kommen würden. Ich war also mental darauf vorbereitet. Ich hatte solche Tiefs zwar nicht zu einem so frühen Zeitpunkt im Rennen erwartet, aber das kann ich jetzt nicht ändern. Ich nahm ein wenig Druck raus, fuhr Oberlenker, nahm wegen der immer größer werdenden Salzrändern auf meinem Trikot Salztabletten und wurde nun gefühlt im 10-Sekunden-Takt überholt. 

 

Das Ortsschild von Hilpolstein tauchte vor mir auf und ich wusste was dies bedeutete... bevor ich ihn sah, hörte ich ihn bereits... Den Solarer Berg!! Mit Worten ist es schwer zu beschreiben, was in einem vor sich geht, wenn auf diese Masse an Leuten zufährt und sich dann dieser kleine Gang öffnet, durch den man nach oben getragen wird. Ich wurde so angefeuert, angebrüllt und motiviert, dass ich zu glauben begann, es würde mir das Trommelfell zerreißen. Hier standen auch meine Eltern und Carina, was mir nochmal zusätzlichen Schwung gab.

Danach ging es tendenziell bergab Richtung Roth und ich nutzte die Abfahrt, um mich zu erholen. 

In meinem Kopf arbeitete es wie verrückt... klar war mein Kopf bereit, diese Schwächephase anzunehmen... aber wie lange würde diese noch dauern?! „Nach jedem Tief kommt ein Hoch“ gingen mir immer wieder die Worte von Ralf durch den Kopf. Ich könnte jetzt ein Hoch gebrauchen. Ich dachte in dieser Phase oft an den nahezu perfekten Wettkampf im Kraichgau zurück. Wie ging das Lied? „Es wär zu schön um nicht an Wunder zu glauben“... im Kraichgau brauchte ich kein Wunder... aber heute brauchte ich eins!

 

Wie ein angeschossenes Reh schleppte ich mich über die zweite Radrunde, stemmte mich mit letzter Kraft gegen den teils schon sehr kräftigen Gegenwind und irgendwann durfte ich dann endlich Richtung Wechselzone 2 abbiegen. Und dann schoss mir unaufhaltbar der Gedanke, den ich so lange mit Gewalt versuchte hatte zu unterdrücken, in den Kopf... „is es denn so schlimm, wenn ich aussteige?“... „vielleicht soll es heute einfach nicht sein?“

 

Wie in Zeitlupe stieg ich nach 05:39:39 vom Rad und schlenderte durch die Wechselzone Richtung Wechselzelt. 

Der Gedanke, jetzt, vor meiner Lieblingsdisziplin, auszusteigen, war, aus jetziger Sicht, natürlich unfassbar dumm... aber zu dem Zeitpunkt so unglaublich verlockend. Die Dame im Wechselzelt leerte meinen Wechselbeutel aus und war gerade dabei mich mit Sonnencreme einzuschmieren, als ich sagte „nicht zu viel Aufwand betreiben... ehrlich gesagt weiß ich noch nicht ob ich rauslaufe!“. Die Frage von ihr, ob ich mich verletzt hatte, musste ich dann verneinen und auf die Frage „warum willst du dann aufhören?“ konnte ich nur mit „ich fühl mich scheiße“ antworten. Lachend beendete sie die Diskussion mit „glaubst du den anderen geht’s besser?“ und ohne eine Antwort abzuwarten, setzte sie mir das Cap auf, reichte mir meine Sonnenbrille und scheuchte mich mit „jetzt schau dassd weiter kommst“ aus der Wechselzone. 

 

Ich versuchte die ersten Schritte zu Laufen und es fühlte sich fantastisch an. Direkt am Ausgang der Wechselzone warteten Carina, ihre und meine Eltern und ihr Bruder. Sie brachten das Lächeln zurück auf mein Gesicht und ich war wieder im Spiel... von einem Moment zum anderen war ich mir sicher, dass ich das Ding ins Ziel bringen kann!!

 

Um jeden Preis wollte ich vermeiden, dass ich den Marathon, wie in Frankfurt zu schnell angehe und so musste ich mich immer wieder bremsen. Ich nahm mir die Zeit und ging bei jeder Verpflegungsstation. Cola, Iso, Salzkekse, Brühe und bei jeder zweiten Verpflegungsstation Salztabletten. Fast dilettantisch zog ich dieses Programm durch. Jetzt holte ich mir nach und nach die am Rad verlorenen Plätze zurück. 

Jetzt war der Fahrplan klar - ich würde den 5er Schnitt so lange halten wie möglich, und auch wenn ich langsamer werden würde, wollte ich mich zwingen, nicht zu gehen.

 

Ich war jetzt wieder bereit, Schmerzen zu ertragen... ich war bereit, alles in meiner Macht stehende zu tun, um das Ding mit Anstand und erhobenen Hauptes über die Bühne zu bringen... ich hatte wieder Spaß an dem Wettkampf!

 

Im Minutentakt sah ich auf die Uhr in panischer Angst, ich würde doch wieder überpacen und mir so den zweiten Halbmarathon zum Wandertag machen. Ich überholte, verpflegte mich, traf viele bekannte Gesichter an und neben der Strecke und genoss es. „Flo, du schaust klasse aus“... heute hatte ich das Gefühl, dass es keine Lüge war!

 

Als ich den ersten Halbmarathon also mit 01:46 hinter mich gebracht hatte, traute ich mich zum ersten mal, ne potentielle Zielzeit zu errechnen. Wenn ich den zweiten HM unter 02:15 laufen könnte, bleib ich immer noch unter der 11-Stunden-Marke!

 

Vom Kanal ging es zurück nach Roth, wo ich noch einmal meine Supportcrew traf. Langsam... ganz langsam machte sich allerdings ein alt bekannter Schmerz meinem linken Knie bemerkbar. Es war das gleiche Knie mit dem gleichen Stechen im Außenmeniskus, dass mich beim Transalpine Run zum Ausstieg gezwungen hatte. 

Anfangs konnte ich den Schmerz gut ignorieren, aber er wurde langsam immer schlimmer und das Anlaufen nach den Verpflegungsgehpausen fiel mir immer schwerer. Erst bei KM 30 wurden die Beine dann richtig schwer... nachdem ich die Stimmung in Roth nochmal aufgesaugt hatte, ging es jetzt bergauf Richtung Büchenbach. 

Lauf so langsam du willst, aber LAUF! 

Ich merkte, dass selbst mein langsamstes Lauftempo nicht unter einem 6er Schnitt war... ich kämpfte mich von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation... mittlerweile fühlte es sich an, als würde mir jedes Mal jemand ein Messer ins linke Knie rammen, wenn ich versuchte wieder anzulaufen.

 

Ich schleppte mich zurück nach Roth und bereits von Weitem hörte ich den Lärm aus dem Zielbereich. Und schon hatte ich den ersehnten roten Teppich unter den Füßen und lief durch das Banner mit dem Schriftzug „Welcome to the home  of Triathlon“ in die Zielarena. Dort standen sie dann alle: Carina, ihr Eltern, meine Eltern, ihr Bruder... Wieder hatte ich Pipi in den Augen, als ich ihnen in die Arme fiel, um dann Richtung Zielbogen zu humpeln. 

10:41:54 zeigte die Anzeige über meinem Kopf an, als mir die Finishermedaille umgehängt wurde. 

 

Ich könnte nicht zufriedener mit meiner Leistung sein... nicht, weil die Einzelzeiten oder die Gesamtzeit so wahnsinnig toll wären (trotzdem immerhin fast eine halbe Stunde schneller als in Frankfurt), sondern weil ich es einfach durchgezogen habe. Weil ich nicht aufgegeben habe... weil ich die Schwächephasen zugelassen und die Stärkephasen ausgenutzt habe... weil mir der Wettkampf so viel über mich, meinen Körper und meinen Kopf beigebracht hat.

 

ROTH... du warst der Hammer!! :-)

 

Jetzt hier noch alle aufzuführen, denen ich zu danken habe, würde den eh schon gesprengten Rahmen noch mehr sprengen... aber das hole ich nach :-)

Ich hol mir jetzt erstmal noch einen Cocktail und genieß unseren Urlaub auf Bali.

Ironman 70.3 Kraichgau

 

Ort: Bad Schönborn

Datum: 03.06.2018

 

... "außer die Roth-Starter"... alles was vor oder nach diesem Satz in Ralfs Emails der letzten Wochen stand, ließ meinen Puls jedes mal in den GA2 Bereich ansteigen.

Einerseits, weil ich mich natürlich mittlerweile auf Roth freue wie ein kleines Kind auf Weihnachten; andererseits, weil in dem zweiten Halbsatz stand, wie sich die kommenden Sessions eben dieser "Roth-Starter" zu den von den (erst im Oktober startenden) Ironman Barcelona Teilnehmern der Laufstilanalyse unterschied.

 

So war es wenig überraschend, dass auch meine Vorbereitung auf den Ironman 70.3 in Kraichgau eine ganz andere war als die aller anderen Laufstilanalyseathleten, die sich letztes Wochenende auf den Weg nach Bad Schönborn machten.

Die recht intensive Trainingswoche vor dem Race sollte mit dem Ironman 70.3 am Sonntag abgerundet werden.

 

Für mich war Kraichgau aber vor allem eins: Die Generalprobe für Roth!

Die Tage vor dem Wettkampf war ich ungewöhnlich ruhig... ungewöhnlich unaufgeregt... ungewöhnlich souverän und trotzdem konzentriert!

 

Ich weiß nicht, ob es an der sich allmählich einschleichenden Erfahrung oder an der fehlenden Spannung lag, aber ich überlegte kein zweites mal, ob ich was ich den Wechselbeuteln vergessen hatte... ich spielte keine verschiedenen Szenarien im Kopf durch... "was tu ich, wenn im Wettkampf Situation X auftritt"... ich stellte mir nicht die Frage nach meiner End- oder neuen Bestzeit... ich wusste, dass Ralf mich perfekt (auch oder genau wegen der bis dato verletzungsfreien Saison) perfekt auf das Rennen vorbereitet hatte... ich machte mir keine Gedanken über zu warme Temperaturen oder Neoverbot... ich ging so souverän wie noch nie in ein Rennen und hatte einfach nur Bock auf Triathlon!

Genau wie letztes Jahr hatte ich auch in dieser Saison nur einen Vorbereitungswettkampf vor meinem Saisonhighlight. Also genau eine Möglichkeit, alle Systeme für Roth nochmal durchzuchecken. Diese eine Chance musste ich nutzen!

 

Da stand ich also... das Rad eingecheckt, den Luftdruck in den Reifen kontrolliert, die Wechselbeutel abgegeben, den Neo bis zur Hüfte hochgezogen und verfolgte den Start des Profistarterfeldes, das mit Jan Frodeno, Patrick Lange, Andi Böcherer, Nick Kastelein und Laura Philipp nicht recht viel stärker hätte besetzt sein können.

 

Die Sonne knallte jetzt schon wie verrückt vom Himmel und ich fühlte mich wie in der Sauna, während ich zusammen mit den anderen Laufstilanalysten (17 !!!) darauf wartete, dass wir endlich ins Wasser durften.

Schulter an Schulter mit meinem Trainingskollegen, Laufstilanalyseteampartner und Freund Daniel sprintete ich nach dem Startschuss in den angenehm warmen Hardtsee.

Vom Racemodus immer noch keine Spur. Der Rolling Start macht das Schwimmen unfassbar stressfrei und so schwamm ich, ohne große Prügeleien, mein Ding. Alles fühlte sich gut an... ich konnte in meiner Startgruppe (Zielzeit Schwimmen: 30-35 Minuten) recht mühelos mitschwimmen ohne mich kaputt zu machen. Zeitweise hatte ich fast das Gefühl, nicht hart genug geschwommen zu sein.

 

Beim Schwimmausstieg das obligatorische High-Five mit Carina und dann ein erster vorsichtiger Blick auf die Uhr... 33 Minuten... Ich?!... 33 Minuten!!... Für das, wie inkonsequent ich mein Schwimmtraining die letzte Zeit gestaltet hatte, war das der absolute Oberhammer!

 

In der Wechselzone entdeckte ich Daniel knapp hinter mir. Er is definitiv nicht der Typ Triathlet, den du beim Radfahren im Nacken sitzen haben willst (Das hat er mir in den letzten Trainingssessions oft genug bewiesen).

Aber egal... es war mein Rennen und ich wollte mich eigentlich nicht zu sehr von den anderen ablenken lassen.

Stegi (deren Rennen über die olympische Distanz erst am Nachmittag startete) stand am Ende der Wechselzone und schickte mich mit der Info "... der Flo (Herzog) ist nur 20 Sekunden vor dir" auf die Radstrecke.

 

Na toll... eigentlich wollte ich es die ersten Kilometer auf dem Rad locker angehen lassen, was nach dieser Info natürlich nicht mehr möglich war. Ich fühlte mich super und mit viel zu hohen Wattwerten begann ich die Flucht nach vorne. Daniel, der ziemlich bald an mir vorbeiflog, brachte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es dauerte 12 Kilometer, bis ich die 20 Sekunden auf Flo zugefahren hatte.

 

Jetzt wurde es hügelig und wie ein Gestörter donnerte ich die ersten Anstiege hoch. Das muss ich definitiv in den Griff bekommen... wenn ich mich auf der Langdistanz auch so von der Atmosphäre pushen lasse, dann zerreisst es mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit früher oder später. Aber dafür war ich da... Fehler machen... Dinge ausprobieren!

Ich hielt mich strickt an meine Ernährungsstrategie, die an diesem Tag mehr als perfekt funktionieren sollte.

Ich kam immer besser ins Rennen, konnte vor allem in den Anstiegen einge Plätze gut machen und hatte zumindest zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Probleme mit der Hitze. Bei Kilometer 60 (wo bereits die meisten Höhenmeter bewältigt waren) habe ich zum ersten mal hochgerechnet und kam selbst bei einer Worst-Case-Szenario-Betrachtung der letzten 20 Kilometer auf eine Radzeit unter 3 Stunden.

 

Das war doch schon mal das Minimalziel, das ich mir am Rad gesteckt hatte, aber ich hatte immer noch extrem gute Beine und ohne mich komplett kaputt zu fahren, donnerte ich zurück Richtung T2... Richtung Bad Schönborn wo jetzt meine eigentlich liebste Disziplin auf mich wartete... Nach 2 Stunden und 42 Minuten sprang ich vom Bike und lief wieder mit einem fetten Grinsen ins zweite Wechselzelt.

Gleich auf den ersten Metern der Laufstrecke entdeckte ich Carina, der ich mit dem noch immer in meinem Gesicht hängenden Grinsen und einem Fingerzeig auf meine Uhr andeutete, dass ich mega happy mit meinen bisherigen Splits war.... abgeklatscht... und im Kurzdistanztempo den ersten Kilometer angegangen (auch das sollte ich vielleicht für Roth nochmal überdenken). Nach dem ersten Kilometer habe zum ersten mal getraut, die Ansicht meiner Uhr auf die Gesamtzeit umzustellen, um mal erste vorsichtige Hochrechnungen zu betreiben.

03:24 stand da... mir blieb ganz kurz der Atem weg (was nicht nur an dem viel zu hohen Anfangstempo lag). "Wenn du jetzt die verbleibenden 20 Kilometer im 04:30er Schnitt läufst, bleibst du heute unter 5 Stunden" dachte ich mir.

Wie wenn mir das Schicksal noch ne extra Portion Motivation mit auf die verbleibenden 20 Kilometer mitgeben wollte, kam genau jetzt die Songzeile "Ey, es wär' schön blöd, nicht an Wunder zu glauben und es wär' zu schön, um es nicht zu riskieren" von Wincent Weiss aus den Boxen des Zielbereichs.

Den Vorteil, den ich gegenüber Wincent zum jetzigen Zeitpunkt hatte war, dass ich kein Wunder brauchte. Die zurückliegenden Keysessions im Training haben mir immer wieder gezeigt, dass ich läuferisch gut drauf bin und dass ich auch im angeschossenen Zustand einen 4:30er Schnitt draufhaben sollte. Ich musste einfach nur abrufen was ich drauf hatte!

 

Immer mehr Laufstilanalysten tauchten auf der Laufstrecke auf und beflügelten mich weiter. Bei Kilometer 11 stellte ich meine vorletzte Hochrechnung auf... "die letzten 10 Kilometer unter nem 5er Schnitt und du packst es!"

Ich bin eigentlich nicht der Typ, der mit hohen Temperaturen im Wettkampf besonders gut klar kommt... allerdings hatte ich mit Ralf diese Saison genau an diesem Thema gearbeitet, meine Ernährung während des Wettkampfes angepasst und immer auf ausreichend Kühlung geachtet. Auch das funktionierte! Geil!

Langsam wurde die Beine schwer, aber mit jedem Meter war ich mir sicherer, dass ich heute die magische 5-Stunden-Grenze knacken würde.

Bei Kilometer 17 lief ich wieder auf Daniel auf... mittlerweile waren wir beide sichtlich angeschossen und versuchten uns gegenseitig nochmal für die letzten Kilometer zu motivieren. Er meinte, dass er das Tempo nicht mitgehen kann und ließ sich leicht zurückfallen.

Jetzt ging es mir auch dick ein... der wellige Laufkurs kostete Kraft... die letzten leichten Anstiege kamen mir wie senkrechte Klettersteige vor.

Die letzte Hochrechnung lautete "selbst wenn du jetzt den letzten Kilometer gehst, reichts für unter 5!“

Ich passierte das Kilometer-20-Schild und plötzlich schob sich Daniel wieder an mir vorbei... ich investierte jetzt alles, um mitlaufen zu können und schnell waren wir uns einig:

 

"Das Ding haben wir Schulter an Schulter begonnen... das bringen wir Schulter an Schulter und Arm in Arm zu Ende!"

Im Zielkanal stand Carina, die mich mit meinem finalen High Five Richtung Zielbogen schickte, der beim Durchlaufen folgendes anzeigte:

 

"Florian Czada 04:56:15, Daniel Eitler 04:56:15"

... Gänsehaut... Unfassbar geil!!!!

 

Mir fehlen immer noch die Worte, um den Wettkampf zu beschreiben... Einerseits bin ich natürlich mega happy mit dem Ergebnis und dass die Generalprobe für Roth so reibungslos funktioniert hat. Andererseits hat so viel funktioniert, dass mir langsam die Stellschrauben fehlen, an denen es bis Roth noch zu justieren gilt.

 

Aber egal wie Roth läuft... Dieses Rennen im Kraichgau werde ich so schnell nicht vergessen!!

 

HIER ... gehts zur inoffiziellen Ergebnisliste

HIER ... gehts zu den Fotos

Walhallalauf

 

Ort: Donaustauf

Datum: 08.04.2018

 

Die 10 Km im Rahmen des Walhallalaufes in Donaustauf sollten der Abschluss des recht intensiven Laufblocks sein, den ich in den letzten Wochen mit der Laufstilanalyse.de absolvierte.

Dass die Laufform passt, hatten die Trainingszeiten bereits bewiesen. Es ging also eigentlich nur noch darum, den Wettkampf als Motivationsbooster für die restliche Roth-Vorbereitung zu nutzen.

 

In den letzten Wochen war ich dann allerdings streckenweise von Motivations- und Wadenproblemen geplagt und so haben Ralf und ich noch Mitte dieser Woche überlegt, ob ein Start überhaupt Sinn macht. Ich sollte es spontan entscheiden, aber da die Wettervorhersage für Sonntag absolut fantastisch aussah, Carina ebenfalls starten würde und vor allem mein Lieblingsgegner und Kumpel Markus Winklmeier ebenfalls am Start stehen sollte, entschied ich mich dann doch dafür zu starten.

Bereits auf dem Weg zum Start (bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen 24 Grad) traf ich so viele bekannte Gesichter, dass es mir fast schwer fiel, mich aufs Rennen zu konzentrieren.

Nach einem sehr kurzen Warmup konnte ich einen Startplatz in der zweiten Reihe ergattern und plötzlich war ich doch im Racemode!

Direkt nach dem Startschuss ging es bergab (zumindest da noch nicht körperlich 😊) und ich ließ es erstmal laufen, ohne mich direkt kaputt zu schießen. Da die 5 und 10 km-Läufer zeitgleich starteten, war es anfangs sehr schwer abzuschätzen, auf welcher Platzierung ich lag.

 

Ich konzentrierte mich auf mein Rennen… ich wusste, dass ich die ersten 2 Kilometer viel zu schnell angegangen bin und so hing ich mich hinter eine Dreiergruppe und ließ es ein wenig ruhiger angehen. 

Als die 5 km Läufer dann abbogen, versuchte ich mein eigenes Tempo zu finden. An der Wende habe ich dann festgestellt, dass ich auf dem 5. Platz lag… und noch viel wichtiger: Dass bereits gute 100 Meter zwischen Winkl und mir lagen.

Jetzt wurde es allerdings trotzdem zach… die Beine wurden immer schwerer und ich musste immer höheren Aufwand betreiben, die Pace bei 03:45 zu halten. Aber jetzt kam mir (genau zum richtigen Zeitpunkt) das restliche Läuferfeld entgegen und viele Bekannte und Freunde feuerten mich an. Ich wusste, dass der Winkl hinter mir eine Schwächephase sofort ausnützen würde… also durfte ich mir keine leisten, da mir eindeutig die Körner fehlten, um eine solche Attacke zu erwidern.

 

An der Walhalla vorbei… noch ein guter Kilometer…. Durch die Unterführung hindurch und plötzlich stand ich vor einer Weggabelung… Links ging es die Treppen hoch… rechts den Radweg. Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass ich den Radweg weiterlaufen müsste aber einige 5-Km Läufer gingen die Treppe rauf. Da stand ich also und brüllte in meiner Verzweiflung, so laut es mein Körper noch zuließ „Wo muss ich lang?“ 

Ein Streckenposten sprang hinter der Kurve hervor und winkte mich Richtung Radweg… Mit einer Mischung aus Ärger und Verzweiflung lief ich so schnell ich konnte nach oben… ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, wie weit der Winkl noch hinter mir ist.

 

Ich schleppte mich durch den letzten höhenmeterintensiven Kilometer, schlängelte mich durch einige 5 km Läufer und betete, dass mich Winkl von hinten nicht mehr attackieren würde… Sicherheitshalber sah ich mich auf der Zielgeraden noch einmal um und wusste erst jetzt, dass ich das Ding entspannt heimlaufen kann.

 

Nach 37 Minuten und 17 Sekunden kam ich als 5. gesamt ins Ziel und bin mit dem Wettkampf sehr happy.

Am Ende des Tages war es dann doch genau das, was es sein sollte:

 

Eine Motivationsspritze für die restliche Roth-Vorbereitung… Geh mas an 😊

 

Auch Carina kam nach einem kontrollierten Rennen nach guten 50 Minuten als 11. Frau ins Ziel!!

Winterlaufchallenge 2018 Teil 2 

 

Ort: Kart Anlage Wackersdorf

Datum: 25.02.2018

 

Ohne überzogene Ambitionen, dafür mit einem seeehr großen Interesse, wie es mittlerweile um meine Laufform steht, hab ich mich am Sonntag auf den Weg Richtung Kartbahn in Wackersdorf gemacht.

Bei strahlendem Sonnenschein wehte leider ein scheiß kalter Wind, was das Rennen nicht einfacher machen würde.

 

Die Strecke an sich klang interessant... los ging es mit einer Runde um die Außenanlage der Kartbahn, dann eine Runde um den Murner See und vor dem Zieleinlauf nochmal eine Runde auf der Kartstrecke.

Wieder mal waren einige Laufstilanalysten mit am Start... In meinem Kopf hatte ich mir bereits die perfekte Renntaktik zurechtgelegt:

In einer leistungsfähigen Gruppe rauslaufen, bei der Führungsarbeit abwechseln und dann auf den letzten 5 Kilometern attackieren :-)

Soweit die Theorie...

Die Praxis sah (selbstverständlich) mal wieder ganz anders aus.

Der Startschuss fiel und ich sortierte mich für die erste Kurve nach der Start/Zielgeraden gleich mal ganz innen ein ....

ein bisschen wie bei der Formel 1 :-D

 

Danach hatte sich das Feld schon gut auseinander gezogen und ich versuchte, meinen Rhythmus und die heiß ersehnte Gruppe zu finden.

 

Nach ein paar Schulterblicken merkte ich, dass die beiden Laufstilanalysten Randy und Matthias direkt neben mir liefen... also dahinter eingereiht und versucht, das hohe Tempo (03:35er Pace) einfach mal mitzugehen.

Das funktionierte bis Kilometer 3 spitze... immer wieder wechselten wir uns mit der Führungsarbeit ab und konnten nach vorne immer mehr Plätze gut machen!

Nach weiteren 2 Kilometern war die Gruppe leider auf Randy und mich zusammengeschmolzen... Bei Kilometer 4 bogen wir auf eine laaange geschotterte Gerade ab, wo uns der eiskalte Wind richtig ins Gesicht peitschte!

 

Der Aufwand, die Pace bei 03:45 zu halten, wurde immer größer und fast schon verzweifelt sah ich mich immer wieder nach Randy um, in der Hoffnung, ich könnte mich in seinem Windschatten ein wenig ausruhen.

Endlich waren wir am Murner See angekommen und der Gegenwind ließ nach. Leider wurde jetzt der Untergrund immer schwerer zu belaufen. Eisschollen und festgetretener Schnee machten die folgenden Kilometer zu nem Eiertanz. In diesen Minuten war ich froh, dass ich mich für meinen Nike Air Pegasus und nicht für die Wettkampfschlappen von OnCloud entschieden hatte.

 

Bei Kilometer 8 war ich dann komplett alleine... nicht das Rennen, das ich mir ausgemalt hatte.

Ich versuchte weiter mit hohem Aufwand, eine Balance zwischen hoher Pace und Eiertanz zu finden, weil ich wenig Lust hatte, mich auf dem engen Spazierweg direkt am Ufer des Sees aufs Maul und damit eventuell ins kalte Wasser zu legen.

Als ich endlich wieder festen asphaltierten Boden und den mittlerweile schon sehr müden Beinen hatte, waren es laut meiner Uhr noch 5 Kilometer. Mit den allerletzten Kraftreserven schloss ich auf eine 2er Gruppe auf, die 200 Meter vor mir lief.

 

Als ich mich endlich in den heiß ersehnten Windschatten hängen konnte, war ich 1. komplett blau und 2. hielt sich jetzt der Gegenwind logischerweise (weil Rückweg) in Grenzen.

Danach wurde es nochmal hektisch... ein Blick auf die Uhr machte mich stutzig... wir hatten erst 12 Kilometer auf der Uhr und bogen schon wieder auf die Straße Richtung Kartbahn ein... Nach der ersten Attacke (nicht von mir) war die Gruppe dann bereits gesprengt.

 

Nach 13,6 Kilometern (wenn man der GPS Uhr glauben darf) bog ich auf die Zielgerade ein und lief mit einer Zeit von 51:35 Minuten sehr zufrieden durch den Zielbogen.

Nach dem ein wenig ernüchternden Ergebnis beim Silvesterlauf in Sandharlanden bin ich mega happy, dass die Fromkurve beim Laufen weiter nach oben zeigt!

 

Mal schauen wo die Road to Roth noch hin führt :-)

Spindellauf 2018

 

Ort: Donaueinkaufszentrum Regensburg

Datum: 13.01.2018

 

Spindelspinnen mit Hirn

 

Bereits der 10 Kilometer Test beim Silvesterlauf in Sandharlanden hat gezeigt, dass mir momentan ein wenig die Tempohärte fehlt, um meine Bestzeiten in Angriff zu nehmen.

Deshalb stand ich mit gedämpfter Erwartungshaltung, aber ungebrochener Vorfreude, am Samstag um kurz vor halb 9 bereits zum vierten mal an der Startlinie des Spindellaufes im Donaueinkaufszentrum.

 

Viel vorgenommen hatte ich mir nicht... insgeheim hatte ich aber schon mit einem Top 10 Platz geliebäugelt, und da mein Lieblingsgegner Markus Winklmeier leider verletzungsbedingt ausgefallen war, wollte ich versuchen, an meinem Laufstilanalysekollegen Hans Gallmeier dran zu bleiben.

Der hatte mir bereits in Sandharlanden eine kräftige Rasur erteilt... es sollte also nicht einfach werden :-)

Kribbeln...3..2..1.. Startschuss... Überlebenskampf... Immer wieder beeindruckend, wie sich die knapp 300 Läufer durch die engen Einkaufspassagen Richtung Parkhausspindel schlängeln. Ich heftete mich an die Fersen von Hans und hoffte, so das Rennen nicht wieder zu schnell anzugehen (so wie letztes Jahr).

 

Die ersten 3 Runden liefen gut, aber mir war ziemlich bald klar, dass Hans heute in einer anderen Liga läuft.

Für mich war es eine, recht untypisch vernünftige, Entscheidung, ihn ziehen zu lassen und mein eigenes Rennen zu machen.

Ich nahm Tempo raus, was sich sofort in der Platzierung widerspiegelte (von Platz 8 fiel ich innerhalb von 2 Runden auf Platz 15 zurück).

Cool bleiben... dein Rennen machen... vielleicht soll es heute einfach nicht sein. Ich saugte die unfassbar tolle Atmosphäre auf, ließ mich treiben...

 

Zu allem Überfluss bekam ich auch noch zunehmend Magenprobleme, aber ein Klo-Stop wäre natürlich der SuperGAU gewesen.  

Ich kämpfte mich mühsam Platz für Platz wieder nach vorne, und als ich nach 21 Kilo- und 600 Höhenmetern ziemlich paniert über die Ziellinie stolperte, zeigte die Anzeigetafel Platz 12 und eine Endzeit von 01:26:25 an.

 

Eine knappe Minute langsamer und 2 Plätze schlechter als letztes Jahr. Aber ein 2. Platz in der Altersklasse ist ja auch nicht so verkehrt.

Unabhängig von dem Ergebnis hat es wieder irrsinnig Spaß gemacht beim Spindellauf zu starten.

Nette Helfer, perfekte Organisation, ein spektakuläres Rennen und eine einzigartige Stimmung am Streckenrand machen den Spindellauf jedes Jahr wieder zu einem Highlight im Rennkalender!

 

Ich hoffe, ich kann auch nächstes Jahr wieder dabei sein!