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Wolfgangseelauf

 

Wie schon vor 3 Jahren habe ich mir den Wolfgangseelauf als Saisonabschlusswettkampf ausgesucht. Bereits damals haben mich die Natur, die anspruchsvolle Strecke, die Stimmung und die Organisation des Laufes dort begeistert!

Die Wettervorhersage war für das komplette Wochenende bombastisch und so entschieden meine Eltern, Carina und ich, bereits am Freitag Früh anzureisen, um das maximale aus dem Wochenende rauszuholen.

Wir verbrachten den Nachmittag in bester Seniorenmanier und schlenderten mit T-Shirt, kurzer Hose und Sonnenbrille am Ufer des Wolfgangsees entlang, haben Kaffe getrunken eine Schifffahrt über den See gemacht und den Wellnessbereich unsicher gemacht --> Tapering Deluxe!

Am Abend trafen wir uns noch mit Carinas Eltern, Sebi (der ebenfalls am Sonntag an den Start ging), seinen Eltern und Kathi zum Essen und ließen den Tag ausklingen.

Den Samstag starteten wir mit einem 2-stündigen Spaziergang um den Schwarzensee, der zufälligerweise genau an einer schön gelegenen Berghütte sein Ende fand.

Wir hatten quasi keine Wahl und ließen uns unter strahlend blauem Himmel unser Mittagessen und Weizen (natürlich alkoholfrei :-) ) schmecken!

Nachmittag holten wir in St. Wolfgang im Start-Ziel Bereich noch unsere Startunterlagen und schlenderten (zusammen mit auffällig vielen selfieschießenden Asiaten) durch die Ortschaft. Carina, Sebi und ich entschlossen uns spontan, noch 20 Minuten am Seeufer joggen zu gehen und zum Abschluss des Tages stand noch eine Carbloadingsession im "Kirchenwirt" aufm Programm :-)

Da der Startschuss für die 27 Kilometerrunde um den Wolfgangsee erst um 10:30 Uhr fiel, startete der Wettkampftag ziemlich entspannt.

Um Punkt 08:00 Uhr starteten wir aber erstmal erfolgreich zur Frühstücksbuffetumrundung. Nachdem wir diese erfolgreich absolviert hatten, erreichten wir um 10:00 Uhr St. Wolfgang. Carina (die leider verletzungsbedingt nicht selber starten konnte) gab unsere Kleiderbeutel ab und wir stellten uns bei strahlendem Sonnenschein an die Startlinie.

Mir war jetzt schon warm und nach den ersten 3 Kilometern tropfte mir bereits der Schweiß von der Nase... Hatte natürlich keine Salztabletten mitgenommen... Schlechte Idee!

Meine Strategie für die Wolfgangseeumrundung war eigentlich recht simpel:

Schnell zum Berg, langsam über den Berg und dann wieder schnellstmöglich den Rhythmus finden und die restlichen flachen 20 Km wieder ballern :-)

 

Am Fuße des 2 Kilometer langen und brutal steilen Anstiegs sah ich zum ersten Mal auf die Uhr und war nicht überrascht, dass das mit dem schnellen „zum Berg“ schon mal funktioniert hatte. Ich versuchte, zumindest die erste Hälfte des Berges zu laufen und erst als wirklich jeder neben mir schon spazierte, fing auch ich an walken. Ich war auf Anschlag und hatte das Gefühl, dass es mir gleich die Unterschenkel zerreissen würde!

Ich kämpfte mich über die Kuppel und musste ein wenig frustriert feststellen, dass ich für die zwei hinter mir liegenden Kilometer fast 14 Minuten gebraucht hatte.

Kann ich jetzt nicht ändern... also volles Risiko beim Downhill... Mein Knie machte sich zum Glück nicht bemerkbar und ich machte sogar ein paar Plätze gut!

 

Unten angekommen genehmigte ich mir erstmal ein als Wasser getarntes Iso und versuchte mein Wohlfühlpace rauszufinden.

Die pendelte sich bei 04:15 ein, was mir nur Recht war... wenn ich die durchlaufen kann, dann bleib ich unter 2 Stunden!

Ich flog von Ortschaft zu Ortschaft, bedankte mich bei allen Zuschauern und war einfach nur happy vor dieser geilen Kulisse schmerzfrei laufen zu dürfen!!

Nach St. Gilgen (am nördlichen Ufer) ging es auf die lange Gerade Richtung Geswandt (am Westufer). Da traf ich ganz unverhofft auf den mitgereisten Fanclub bestehend aus Kathi, meinen und Sebis Eltern. Der Support und der Fakt, dass es jetzt nur noch 17 Kilometer waren, verliehen mir Flügel und im 4er Schnitt donnerte ich weiter Richtung Strobl (am Südufer).

Langsam wurden die Beine schwer und die Angst vor einem Einbruch wuchs.

 

Also ein Gel reingedrückt und versucht, das Tempo hoch zu halten.

Plötzlich entdeckte ich den Führungsradler der Damen (natürlich mit der zugehörigen führenden Dame).

Langsam kämpfte ich mich ran und schließlich auch vorbei!

In Strobl (bei Kilometer 20) angekommen war ich blau... ich tropfte wie ein Kieslaster und die Beine wurden mit jedem Schritt schwerer. Ich wusste von meinem Start 2014, dass die Strecke von Strobl nach St. Wolfgang schwer zu laufen war.

Aber ich wusste auch, dass Carina irgendwo auf diesem Abschnitt auf mich warten würde und so zwang ich mich weiter zu fighten!

Bei Kilometer 24 fand ich sie (oder sie mich) und sie begleitete mich ein paar hundert Meter. Gerne hätte ich ein paar Worte mit ihr gewechselt, aber alles was ich rausbrachte war die Antwort auf die Antwort auf die Frage wies mir geht: „Beschissen“.

 

„Jetzt sins nur no 3 Kilometer... die bringst jetzt a no rum... geile Zeit... auf gehts!!“

Ja sie hatte ja Recht! Lang wars wirklich nicht mehr und ich lag noch gut in der Zeit und a bissl Schmerzen haben noch keinen umgebracht.

Und ja es wurde hässlich, als ich mich die leicht ansteigende Straße nach St. Wolfgang hoch kämpfte... aber irgendwie ging auch das rum und als ich bei Kilometer 26 auf die Uhr sah und feststellte, dass ich mir jetzt eine gemütliche 6er Pace leisten konnte, war das Ding durch!

Mit einem fetten Grinsen im Gesicht lief ich nach 01:57:50 als gesamt 53. (von 1769 Finishern) und 4. bester Deutscher über die Ziellinie.

 

Im Ziel traf ich dann alle anderen wieder und bei einem Stiegl haben wir uns gegenseitig für die zurückliegenden 27 Km bemitleidet :-)

Ich bin sehr sehr happy mit meiner Performance, denn seit dem Transalpinerun-DNF habe ich keinen längeren Lauf mehr gemacht. Jetzt können der Winter und das damit verbundene Grundlagenausdauertraining beginnen... ich bin bereit :-)

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